Androgenetische Alopezie: Die häufigste Form des Haarausfalls
Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie) ist die mit Abstand häufigste Ursache für Haarverlust bei Männern. Etwa 80 Prozent aller Männer sind im Laufe ihres Lebens betroffen. Die ersten Anzeichen, typischerweise Geheimratsecken und eine sich lichtende Tonsur, können bereits ab dem 20. Lebensjahr auftreten.
Die Ursache liegt in einer genetisch bedingten Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber Dihydrotestosteron (DHT), einer aktiven Form des männlichen Geschlechtshormons Testosteron. DHT lässt die empfindlichen Haarfollikel schrumpfen, was zu dünneren Haaren und schließlich zum vollständigen Haarverlust in den betroffenen Bereichen führt.
Die gute Nachricht: Es gibt wirksame medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten, die den Haarausfall stoppen und in vielen Fällen auch eine Neubewachsung fördern können. Die beiden wichtigsten Wirkstoffe sind Finasterid und Minoxidil, die unterschiedliche Wirkmechanismen haben und sich ergänzen können.
Finasterid: Der DHT-Blocker
Finasterid ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, das die Umwandlung von Testosteron in DHT hemmt. Es blockiert das Enzym 5-Alpha-Reduktase, das für diese Umwandlung verantwortlich ist, und senkt so den DHT-Spiegel um etwa 70 Prozent.
Anwendung: Finasterid wird als Tablette einmal täglich in einer Dosierung von 1 mg eingenommen. Die Einnahme sollte regelmäßig erfolgen, da der Haarausfall bei Absetzen des Medikaments innerhalb einiger Monate wieder einsetzt.
Wirksamkeit: In klinischen Studien konnte Finasterid bei 83 Prozent der Männer den Haarausfall stoppen und bei 66 Prozent eine sichtbare Zunahme der Haardichte bewirken. Die ersten Ergebnisse zeigen sich nach 3 bis 6 Monaten, das volle Ausmaß der Wirkung nach 12 bis 24 Monaten.
Nebenwirkungen: Bei einem kleinen Teil der Anwender (1 bis 2 Prozent) können sexuelle Nebenwirkungen auftreten, darunter verminderte Libido, Erektionsstörungen oder Ejakulationsstörungen. In den meisten Fällen bilden sich diese nach Absetzen des Medikaments zurück. Selten wird über anhaltende Nebenwirkungen berichtet, weshalb eine ärztliche Begleitung der Therapie empfohlen wird.
Minoxidil: Der Durchblutungsförderer
Minoxidil ist ein topisches (äußerlich anzuwendendes) Mittel gegen Haarausfall, das in Deutschland rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist. Es wurde ursprünglich als Blutdrucksenker entwickelt, wobei das Haarwachstum als Nebeneffekt entdeckt wurde.
Anwendung: Minoxidil wird als 5-prozentige Lösung oder Schaum zweimal täglich auf die betroffenen Kopfhautstellen aufgetragen. Die Einwirkzeit beträgt mindestens 4 Stunden, weshalb viele Anwender die Anwendung morgens und abends bevorzugen.
Wirksamkeit: Minoxidil verbessert die Durchblutung der Haarfollikel und verlängert die Wachstumsphase der Haare. In Studien zeigte sich bei etwa 60 Prozent der Anwender eine Verbesserung des Haarwachstums. Der Effekt ist besonders im Scheitelbereich ausgeprägt und weniger stark an den Geheimratsecken.
Nebenwirkungen: Lokale Hautreizungen, Juckreiz und Schuppenbildung an der Anwendungsstelle sind die häufigsten Nebenwirkungen. Zu Beginn der Behandlung kann es paradoxerweise zu einem vorübergehend verstärkten Haarausfall kommen (sogenanntes Shedding), da ruhende Haare durch neue ersetzt werden. Dieser Effekt ist vorübergehend und ein Zeichen, dass die Behandlung wirkt.
Finasterid vs. Minoxidil: Der direkte Vergleich
Beide Wirkstoffe haben ihre Stärken und können je nach Situation einzeln oder in Kombination eingesetzt werden:
Wirksamkeit: Finasterid zeigt in Studien eine etwas höhere Wirksamkeit als Minoxidil, insbesondere am Haaransatz und bei den Geheimratsecken. Minoxidil ist besonders wirksam im Scheitelbereich. Die Kombination beider Wirkstoffe erzielt in der Regel die besten Ergebnisse.
Anwendung: Finasterid ist mit einer Tablette täglich deutlich einfacher anzuwenden als Minoxidil, das zweimal täglich aufgetragen werden muss. Allerdings ist Finasterid verschreibungspflichtig, während Minoxidil rezeptfrei erhältlich ist.
Nebenwirkungsprofil: Finasterid kann systemische Nebenwirkungen verursachen (insbesondere sexuelle Funktionsstörungen), während Minoxidil überwiegend lokale Nebenwirkungen aufweist. Das Risiko-Nutzen-Verhältnis muss individuell abgewogen werden.
Kosten: Beide Wirkstoffe sind als Generika vergleichsweise günstig. Die monatlichen Kosten liegen für beide Optionen typischerweise zwischen 15 und 30 Euro. Die Kosten werden in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.
Kombinationstherapie: Die gleichzeitige Anwendung von Finasterid und Minoxidil ist nach ärztlicher Absprache möglich und zeigt in vielen Fällen bessere Ergebnisse als die Monotherapie. Finasterid bekämpft die hormonelle Ursache, während Minoxidil die Durchblutung und das Haarwachstum direkt fördert.
Online-Rezept für Haarausfall-Medikamente
Finasterid ist verschreibungspflichtig und erfordert eine ärztliche Verordnung. Über telemedizinische Plattformen kann diese Verordnung bequem und diskret online erfolgen. Der behandelnde Arzt prüft anhand eines medizinischen Fragebogens, ob Finasterid für Sie geeignet ist und keine Kontraindikationen vorliegen.
Da Haarausfall ein Thema ist, das viele Männer als unangenehm empfinden, bietet die Telemedizin hier einen besonders niederschwelligen Zugang. Die gesamte Konsultation erfolgt digital, und das Medikament wird diskret nach Hause geliefert.
Wichtig bei der Online-Konsultation: Geben Sie alle relevanten Informationen zu Vorerkrankungen und aktueller Medikation vollständig an. Insbesondere bei geplanter oder bestehender Kinderwunschplanung ist eine offene Kommunikation mit dem Arzt entscheidend, da Finasterid bei Schwangeren zu Fehlbildungen des männlichen Fötus führen kann.
Für eine realistische Erwartungshaltung: Die Behandlung des erblich bedingten Haarausfalls erfordert Geduld. Erste Ergebnisse zeigen sich nach 3 bis 6 Monaten, und die Behandlung muss dauerhaft fortgeführt werden, um den Effekt aufrechtzuerhalten. Bei Absetzen setzt der Haarausfall innerhalb einiger Monate wieder ein.




