Was ist Finasterid?
Finasterid ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff zur Behandlung des erblich bedingten Haarausfalls (androgenetische Alopezie) bei Männern. Das Medikament wurde ursprünglich von MSD unter dem Markennamen Propecia® eingeführt und ist heute von verschiedenen Herstellern als Generikum erhältlich.
Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der 5-Alpha-Reduktasehemmer. Er greift gezielt in den hormonellen Mechanismus ein, der für den Haarausfall verantwortlich ist, und kann den Haarverlust stoppen sowie bei vielen Männern das Haarwachstum reaktivieren.
Wichtig zu wissen: Finasterid ist ausschließlich für Männer zugelassen. Für Frauen ist das Medikament nicht geeignet und kann insbesondere in der Schwangerschaft zu schweren Fehlbildungen beim männlichen Fötus führen.
Die Wirkung setzt nicht sofort ein – erste Ergebnisse sind meist nach 3 bis 6 Monaten sichtbar, die volle Wirkung nach etwa 12 Monaten.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Finasterid
Um die Wirkung von Finasterid zu verstehen, muss man den Mechanismus des erblich bedingten Haarausfalls kennen:
Der Hintergrund: Das männliche Geschlechtshormon Testosteron wird im Körper durch das Enzym 5-Alpha-Reduktase in Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt. DHT ist ein potentes Androgen, das bei genetisch veranlagten Männern die Haarfollikel am Oberkopf schädigt. Die Follikel schrumpfen, die Haare werden dünner und fallen schließlich aus.
Die Wirkung von Finasterid: Finasterid hemmt das Enzym 5-Alpha-Reduktase (Typ II) und reduziert dadurch die DHT-Konzentration im Blut und in der Kopfhaut um etwa 70%. Mit weniger DHT werden die Haarfollikel geschont:
- Der Haarausfall wird gestoppt bei etwa 90% der Anwender
- Neues Haarwachstum zeigt sich bei etwa 65% der Anwender
- Die Haarqualität verbessert sich – bestehende Haare werden kräftiger
Zeitlicher Verlauf: Die Wirkung baut sich langsam auf. Erste sichtbare Ergebnisse nach 3-6 Monaten, optimale Wirkung nach 12-24 Monaten. Wird Finasterid abgesetzt, kehrt der Haarausfall innerhalb von 12 Monaten zurück.
Für wen ist es geeignet?
Finasterid ist geeignet für:
Männer mit androgenetischer Alopezie:
- Typisches Muster: Geheimratsecken und/oder lichte Stelle am Oberkopf
- Alter: 18-41 Jahre (Studienpopulation), auch ältere Männer können profitieren
- Leichter bis mittlerer Haarausfall (beste Ergebnisse)
- Auch bei fortgeschrittenem Haarausfall möglich, Erwartungen sollten aber angepasst sein
Besonders wirksam bei:
- Frühem Eingreifen – je früher die Behandlung beginnt, desto besser
- Haarausfall hauptsächlich am Scheitel und Hinterkopf
- Noch vorhandenen, wenn auch ausgedünnten Haaren
Weniger geeignet bei:
- Komplett kahlen Stellen (dort sind keine Follikel mehr zu retten)
- Haarausfall an den Schläfen (geringere Wirksamkeit)
- Frauen (nicht zugelassen, kann beim männlichen Fötus Fehlbildungen verursachen)
- Narben- oder krankheitsbedingtem Haarausfall
Kombinationstherapie: Finasterid wird oft mit Minoxidil kombiniert. Beide Wirkstoffe haben unterschiedliche Mechanismen und können sich ergänzen.
Verfügbare Dosierungen
Für androgenetische Alopezie:
- 1 mg pro Tag – Einzige zugelassene Dosierung für Haarausfall
Andere Dosierungen (nicht für Haarausfall):
- 5 mg wird zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung eingesetzt
- Diese höhere Dosis ist für Haarausfall nicht erforderlich und erhöht das Nebenwirkungsrisiko
Anwendungsdauer:
- Langzeittherapie erforderlich
- Die Einnahme muss kontinuierlich erfolgen, um den Effekt zu erhalten
- Bei Absetzen kehrt der Haarausfall innerhalb von 12 Monaten zurück
- Nach 5 Jahren Anwendung zeigen Studien weiterhin gute Wirksamkeit
Packungsgrößen: Finasterid 1 mg ist in verschiedenen Packungsgrößen erhältlich (28, 84, 98 Tabletten), wobei größere Packungen meist wirtschaftlicher sind.
Einnahmehinweise
Einnahme:
- Eine Tablette (1 mg) täglich
- Mit oder ohne Mahlzeit
- Mit einem Glas Wasser einnehmen
- Möglichst zur gleichen Tageszeit für gleichmäßige Wirkspiegel
Wichtige Hinweise:
- Die Tabletten nicht teilen oder zerkauen
- Schwangere Frauen sollten die Tabletten nicht anfassen (Wirkstoffaufnahme über die Haut möglich)
- Bei vergessener Einnahme: Einfach am nächsten Tag normal fortfahren, keine doppelte Dosis
Behandlungsdauer und Erwartungen:
- 3-6 Monate: Erste Ergebnisse möglicherweise sichtbar, Haarausfall verlangsamt sich
- 12 Monate: Volle Wirkung beurteilbar, bei vielen Männern sichtbar dichteres Haar
- Langfristig: Kontinuierliche Einnahme nötig, um Ergebnisse zu erhalten
Was Sie erwarten können:
- Haarausfall stoppt bei etwa 90% der Männer
- Sichtbares Nachwachsen bei etwa 65%
- Die Wirkung ist an Scheitel und Hinterkopf am besten
- An den Geheimratsecken meist geringerer Effekt
Gegenanzeigen
Absolute Kontraindikationen:
Frauen:
- Finasterid ist nur für Männer zugelassen
- Bei Schwangeren kann es zu schweren Missbildungen der Genitalien männlicher Föten führen
- Selbst Hautkontakt mit zerbrochenen Tabletten sollte vermieden werden
Kinder und Jugendliche:
- Nicht für Personen unter 18 Jahren
Überempfindlichkeit:
- Bekannte Allergie gegen Finasterid oder einen der sonstigen Bestandteile
Relative Kontraindikationen – besondere Vorsicht bei:
Leberfunktionsstörung:
- Finasterid wird in der Leber abgebaut
- Bei schwerer Lebererkrankung kann die Ausscheidung verzögert sein
Psychische Vorbelastung:
- Bei Neigung zu Depressionen oder Angstzuständen engmaschige Beobachtung empfohlen
- Bei Auftreten psychischer Symptome Arzt informieren
Prostatakrebs-Screening:
- Finasterid senkt den PSA-Wert um etwa 50%
- Bei der Prostatakrebsvorsorge muss dies berücksichtigt werden
- Arzt über die Finasterid-Einnahme informieren
Mögliche Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen (1-10%):
- Verminderte Libido (sexuelles Verlangen)
- Erektionsstörungen
- Vermindertes Ejakulatvolumen
Gelegentliche Nebenwirkungen (0,1-1%):
- Depressive Verstimmung
- Empfindlichkeit oder Schwellung der Brust
- Hautausschlag
Seltene Nebenwirkungen (weniger als 0,1%):
- Überempfindlichkeitsreaktionen
- Erhöhte Leberenzyme
- Hodenschmerzen
Post-Finasterid-Syndrom: In seltenen Fällen berichten Männer über anhaltende sexuelle Nebenwirkungen auch nach dem Absetzen. Dieses "Post-Finasterid-Syndrom" ist wissenschaftlich umstritten und wird weiter erforscht. Die Häufigkeit ist sehr gering.
Wichtige Hinweise:
- Die meisten sexuellen Nebenwirkungen verschwinden bei Fortsetzung der Therapie oder nach dem Absetzen
- Bei anhaltenden oder belastenden Nebenwirkungen sollte die Behandlung beendet werden
- Psychische Veränderungen (Depressionen) sollten ernst genommen werden
Einfluss auf Labortests:
- PSA-Wert sinkt um ca. 50% – bei Prostatakrebs-Vorsorge wichtig zu wissen
Wechselwirkungen
Wechselwirkungen: Finasterid hat relativ wenige klinisch relevante Wechselwirkungen:
Keine bekannten bedeutsamen Wechselwirkungen mit:
- Blutdruckmedikamenten
- Cholesterinsenkern
- Diabetesmedikamenten
- Schmerzmitteln
Theoretische Interaktionen:
- CYP3A4-Hemmer (Ketoconazol, Ritonavir): Könnten den Abbau von Finasterid verlangsamen, klinisch aber nicht relevant
- Johanniskraut: Könnte den Abbau beschleunigen, Bedeutung unklar
Besondere Hinweise:
PSA-Test: Finasterid senkt den PSA-Wert um etwa 50%. Bei der Prostatakrebsvorsorge muss der Arzt dies wissen, um die Werte richtig zu interpretieren.
Blutspende: Während der Einnahme und bis einen Monat nach dem Absetzen sollten Männer kein Blut spenden, da das Blut theoretisch an schwangere Frauen übertragen werden könnte.
Schwangere Partnerinnen: Bei Kinderwunsch oder Schwangerschaft der Partnerin: Finasterid geht in geringen Mengen in die Samenflüssigkeit über. Das Risiko für den Fötus wird als sehr gering eingeschätzt, sollte aber mit dem Arzt besprochen werden.
Häufige Fragen
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Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt. Lesen Sie vor der Einnahme die Packungsbeilage.



