Erektile Dysfunktion: Häufiger als gedacht
Erektionsstörungen, medizinisch als erektile Dysfunktion (ED) bezeichnet, gehören zu den häufigsten sexuellen Funktionsstörungen bei Männern. Schätzungen zufolge sind in Deutschland zwischen 3 und 5 Millionen Männer betroffen. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter: Während etwa 10 Prozent der Männer zwischen 40 und 49 Jahren betroffen sind, liegt der Anteil bei Männern über 70 Jahren bei rund 50 Prozent.
Trotz dieser hohen Zahlen ist das Thema nach wie vor mit Scham behaftet. Viele Betroffene warten Jahre, bevor sie professionelle Hilfe suchen. Dabei ist eine Erektionsstörung in den meisten Fällen gut behandelbar. Moderne Medikamente erzielen bei 70 bis 90 Prozent der Betroffenen gute Ergebnisse.
Von einer behandlungsbedürftigen erektilen Dysfunktion spricht man erst, wenn es über mindestens sechs Monate regelmäßig nicht gelingt, eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten. Gelegentliche Erektionsprobleme sind völlig normal und kein Grund zur Besorgnis.
Ursachen von Erektionsstörungen
Die Ursachen für eine erektile Dysfunktion sind vielfältig. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen körperlichen und psychischen Faktoren, wobei häufig eine Kombination beider vorliegt.
Körperliche Ursachen (ca. 70 % der Fälle):
- Gefäßerkrankungen: Arteriosklerose ist die häufigste Ursache. Verengte Blutgefäße verhindern einen ausreichenden Blutfluss in die Schwellkörper. Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Diabetes mellitus, erhöhte Blutfette und Rauchen.
- Hormonelle Störungen: Ein Testosteronmangel kann die Libido und Erektionsfähigkeit beeinträchtigen. Ab dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel bei Männern natürlicherweise langsam ab.
- Neurologische Erkrankungen: Multiple Sklerose, Parkinson oder Bandscheibenvorfälle können die Nervensignale stören, die für eine Erektion notwendig sind.
- Medikamentennebenwirkungen: Bestimmte Blutdrucksenker, Antidepressiva, Betablocker und Entwässerungsmittel können die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen.
Psychische Ursachen (besonders bei jüngeren Männern):
- Leistungsdruck und Versagensangst
- Stress und Überlastung im Beruf oder Privatleben
- Beziehungskonflikte und Kommunikationsprobleme
- Depressionen und Angststörungen
Wichtig: Eine Erektionsstörung kann auch ein Frühwarnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein. Die feinen Gefäße im Penis sind oft vor den größeren Herzgefäßen betroffen. Eine ärztliche Abklärung ist daher auch aus kardiovaskulärer Sicht sinnvoll.
Behandlung mit PDE-5-Hemmern: Sildenafil, Tadalafil & Co.
Die Standardtherapie der erektilen Dysfunktion sind sogenannte PDE-5-Hemmer (Phosphodiesterase-5-Hemmer). Diese Medikamentengruppe verbessert die Durchblutung der Schwellkörper und erleichtert so das Erreichen und Aufrechterhalten einer Erektion bei sexueller Stimulation.
Sildenafil (bekannt als Viagra): Der bekannteste PDE-5-Hemmer wirkt etwa 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme und hält 4 bis 6 Stunden an. Erhältlich in Dosierungen von 25 mg, 50 mg und 100 mg. Seit 2013 ist Sildenafil als Generikum deutlich günstiger verfügbar.
Tadalafil (bekannt als Cialis): Der Vorteil von Tadalafil ist seine lange Wirkdauer von bis zu 36 Stunden, weshalb es umgangssprachlich als Wochenendpille bezeichnet wird. Zudem gibt es die Option der täglichen Einnahme in niedriger Dosierung (5 mg) für eine dauerhafte Wirkbereitschaft.
Vardenafil und Avanafil: Weitere PDE-5-Hemmer mit ähnlicher Wirkung, aber leicht unterschiedlichen Profilen bezüglich Wirkungseintritt und Nebenwirkungen.
Alle PDE-5-Hemmer sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Die Wahl des passenden Medikaments hängt von individuellen Faktoren ab, darunter Wirkungseintritt, gewünschte Wirkdauer, Einnahmefrequenz und Verträglichkeit. Ein Arzt kann hier die beste Empfehlung geben.
Mögliche Nebenwirkungen und Kontraindikationen
PDE-5-Hemmer sind in der Regel gut verträglich. Häufige Nebenwirkungen umfassen Kopfschmerzen, Gesichtsrötung (Flush), verstopfte Nase und Verdauungsbeschwerden. Diese sind meist mild und klingen nach kurzer Zeit wieder ab.
Wichtige Kontraindikationen: PDE-5-Hemmer dürfen nicht zusammen mit Nitraten oder Stickstoffmonoxid-Donatoren eingenommen werden, da dies zu einem gefährlichen Blutdruckabfall führen kann. Auch bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, kürzlichem Schlaganfall oder Herzinfarkt ist besondere Vorsicht geboten.
Weitere Wechselwirkungen bestehen mit bestimmten Blutdrucksenkern (Alpha-Blockern), HIV-Proteaseinhibitoren und einigen Antibiotika. Eine vollständige ärztliche Anamnese inklusive Medikamentenabfrage ist daher vor der Verschreibung unverzichtbar.
Online-Rezept für Erektionsstörungen
Gerade bei einem sensiblen Thema wie Erektionsstörungen bietet die Telemedizin einen niederschwelligen Zugang zur Behandlung. Viele Männer empfinden es als angenehmer, über ihre Beschwerden in einem digitalen Fragebogen zu berichten, als persönlich darüber zu sprechen.
Der Ablauf einer Online-Konsultation für Erektionsstörungen umfasst einen strukturierten medizinischen Fragebogen, der Gesundheitszustand, Vorerkrankungen, aktuelle Medikation und Schwere der Beschwerden erfasst. Ein Arzt prüft die Angaben und stellt bei medizinischer Eignung ein Rezept aus.
Wichtig ist dabei die Ehrlichkeit bei den Angaben: Nur so kann der Arzt sicherstellen, dass die Behandlung für Sie geeignet und sicher ist. Falsche oder unvollständige Angaben können zu einer falschen Behandlung und gesundheitlichen Risiken führen.
Die Kosten für PDE-5-Hemmer werden in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen, da sie als sogenannte Lifestyle-Medikamente gelten. Private Krankenversicherungen erstatten die Kosten je nach Tarif teilweise oder vollständig.




