Was ist Levocetirizin?
Levocetirizin ist das aktive Enantiomer (linksdrehende Form) von Cetirizin und gehört zur zweiten Generation der Antihistaminika. Es wird bei allergischer Rhinitis (Heuschnupfen), perennialer Rhinitis und chronischer idiopathischer Urtikaria eingesetzt.
Mit einer Dosierung von nur 5 mg erzielt Levocetirizin die gleiche Wirksamkeit wie 10 mg Cetirizin, jedoch mit einem tendenziell günstigeren Nebenwirkungsprofil. Levocetirizin ist als Generikum (z. B. Levocetirizin-ratiopharm®, Levocetirizin HEXAL®) und unter dem Markennamen Xusal® erhältlich.
Es gilt als eines der wirksamsten oralen Antihistaminika und hat eine sehr schnelle Wirkung.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Levocetirizindihydrochlorid
Levocetirizin blockiert selektiv die H1-Histaminrezeptoren:
Wirkmechanismus:
- Hochaffine Blockade der peripheren H1-Rezeptoren
- Doppelte Rezeptoraffinität im Vergleich zu Cetirizin (R-Enantiomer ist unwirksam)
- Hemmt die Histamin-vermittelte Vasodilatation, Ödembildung und Juckreiz
- Zusätzliche antiinflammatorische Eigenschaften
Pharmakokinetik:
- Schnelle Resorption: Wirkungseintritt nach 30–60 Minuten
- Hohe orale Bioverfügbarkeit (> 85 %)
- Halbwertszeit: 7–10 Stunden
- Wirkdauer: Über 24 Stunden bei einmaliger Gabe
Vorteile:
- Schnellster Wirkungseintritt unter den oralen Antihistaminika
- Hohe Wirksamkeit bei niedriger Dosis
- Geringere Sedierung als Cetirizin (da das sedierende R-Enantiomer fehlt)
Für wen ist es geeignet?
Levocetirizin ist geeignet für:
- Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren mit saisonaler allergischer Rhinitis
- Patienten mit perennialer (ganzjähriger) allergischer Rhinitis
- Chronische idiopathische Urtikaria
Besonders empfohlen bei:
- Patienten, die eine sehr schnelle Symptomlinderung benötigen
- Wenn Cetirizin 10 mg zu müde macht (Levocetirizin 5 mg oft besser verträglich)
- Starke allergische Symptome, die ein potentes Antihistaminikum erfordern
Nicht geeignet:
- Kinder unter 2 Jahren
- Schwere Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 10 ml/min)
- Überempfindlichkeit gegen Levocetirizin, Cetirizin oder Hydroxyzin
Verfügbare Dosierungen
Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren:
- 5 mg einmal täglich (eine Filmtablette)
Kinder:
- 6–11 Jahre: 5 mg einmal täglich
- 2–5 Jahre: 1,25 mg zweimal täglich (als Tropfen)
Verfügbare Darreichungsformen:
- 5 mg Filmtabletten
- Tropfen zum Einnehmen (für Kinder)
Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz:
- Leicht (CrCl 50–79): 5 mg täglich
- Mäßig (CrCl 30–49): 5 mg alle 2 Tage
- Schwer (CrCl 10–29): 5 mg alle 3 Tage
- Dialyse: Kontraindiziert
Einnahmehinweise
Einnahme:
- Einmal täglich, vorzugsweise abends (bei leichter Müdigkeit)
- Unabhängig von Mahlzeiten (Nahrung verzögert die Aufnahme leicht)
- Filmtablette unzerkaut mit Wasser schlucken
- Tropfen direkt in den Mund oder auf einem Löffel
Wichtige Hinweise:
- Regelmäßige Einnahme für optimale Wirkung
- Bei Müdigkeit: Einnahme auf den Abend verlegen
- Alkohol kann die sedierende Wirkung verstärken – Vorsicht
- Nicht zusammen mit anderen sedierenden Medikamenten
Anwendungsdauer:
- Saisonale Allergie: Während der Pollenflugzeit
- Perenniale Allergie: Ganzjährig nach ärztlicher Empfehlung
- Urtikaria: Bis zur Symptomfreiheit
Gegenanzeigen
Levocetirizin darf nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Levocetirizin, Cetirizin oder Hydroxyzin
- Schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 10 ml/min)
- Dialysepflichtiger Niereninsuffizienz
Vorsicht bei:
- Eingeschränkter Nierenfunktion (Dosisanpassung erforderlich)
- Epilepsie oder erhöhter Krampfbereitschaft
- Gleichzeitigem Alkoholkonsum
- Prädisposition für Harnverhalt (z. B. Rückenmarkläsion, Prostatahyperplasie)
Schwangerschaft und Stillzeit: Keine ausreichenden Daten für die Anwendung in der Schwangerschaft. Geht in die Muttermilch über. In Schwangerschaft und Stillzeit nur nach ärztlicher Rücksprache.
Mögliche Nebenwirkungen
Häufig (1–10 %):
- Kopfschmerzen
- Schläfrigkeit/Müdigkeit (weniger als bei Cetirizin)
- Mundtrockenheit
- Fatigue
Gelegentlich (0,1–1 %):
- Bauchschmerzen
- Übelkeit
- Schwindel
- Sehstörungen
- Palpitationen
Selten:
- Gewichtszunahme
- Überempfindlichkeitsreaktionen
- Krampfanfälle
- Leberfunktionsstörungen
- Aggression, Agitiertheit
Hinweis: Im Vergleich zu Cetirizin 10 mg ist die Sedierungsrate bei Levocetirizin 5 mg etwas geringer, da das inaktive R-Enantiomer fehlt.
Wechselwirkungen
Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von:
- Alkohol (verstärkte Sedierung möglich)
- Anderen ZNS-dämpfenden Substanzen (Benzodiazepine, Opioide)
- Theophyllin (leichte Hemmung der Levocetirizin-Clearance)
- Ritonavir (kann Levocetirizin-Spiegel erhöhen)
Keine relevante Interaktion mit:
- Pseudoephedrin
- Nahrungsmitteln (leichte Verzögerung, aber kein Wirkungsverlust)
- CYP-Enzym-abhängigen Medikamenten (minimaler CYP-Metabolismus)
Hinweis: Levocetirizin hat ein relativ günstiges Wechselwirkungsprofil, da es kaum hepatisch metabolisiert wird und hauptsächlich renal ausgeschieden wird.
Häufige Fragen
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Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt. Lesen Sie vor der Einnahme die Packungsbeilage.





