Was ist Desloratadin?
Desloratadin ist ein Antihistaminikum der dritten Generation und der aktive Metabolit von Loratadin. Es wird zur Behandlung von allergischer Rhinitis (Heuschnupfen), allergischer Rhinokonjunktivitis und chronischer Urtikaria (Nesselsucht) eingesetzt.
Der Wirkstoff blockiert selektiv die H1-Histaminrezeptoren und wirkt damit gezielt gegen die typischen Allergiesymptome wie Niesen, Nasenlaufen, Juckreiz und tränende Augen. Desloratadin ist unter dem Markennamen Aerius® sowie als Generikum von zahlreichen Herstellern erhältlich (z. B. Desloratadin-ratiopharm®, Desloratadin HEXAL®).
Im Unterschied zu älteren Antihistaminika wie Cetirizin oder Diphenhydramin passiert Desloratadin die Blut-Hirn-Schranke kaum und macht daher in der Regel nicht müde.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Desloratadin
Desloratadin greift gezielt in die allergische Reaktion ein:
Wirkmechanismus:
- Selektive Blockade der peripheren H1-Histaminrezeptoren
- Verhindert, dass Histamin seine allergischen Wirkungen entfaltet
- Zusätzlich entzündungshemmende Eigenschaften (hemmt Interleukin-4, Interleukin-13 und weitere Mediatoren)
- Stabilisiert Mastzellen und hemmt die Freisetzung weiterer Entzündungsstoffe
Vorteile gegenüber älteren Antihistaminika:
- Keine relevante Sedierung (macht nicht schläfrig)
- Keine anticholinergen Nebenwirkungen (kein trockener Mund)
- Keine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit in empfohlener Dosierung
- Keine Wechselwirkung mit Grapefruitsaft oder CYP3A4-Hemmern
Wirkungseintritt: Die Wirkung setzt innerhalb von 1 Stunde ein. Die maximale Plasmakonzentration wird nach etwa 3 Stunden erreicht. Die Wirkdauer beträgt 24 Stunden, sodass eine einmal tägliche Einnahme ausreicht.
Für wen ist es geeignet?
Desloratadin ist geeignet für:
- Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit allergischer Rhinitis (Heuschnupfen)
- Patienten mit chronischer idiopathischer Urtikaria (Nesselsucht)
- Ganzjährig oder saisonal bedingte Allergiesymptome
- Hausstauballergie mit Dauerschnupfen
Besonders empfohlen bei:
- Patienten, die tagsüber leistungsfähig bleiben müssen (Beruf, Autofahren)
- Wenn Loratadin nicht ausreichend wirkt
- Bei Bedarf an einem nicht-sedierenden Antihistaminikum
- Kombination mit nasalen Kortikosteroiden bei schwerer Symptomatik
Nicht geeignet:
- Kinder unter 1 Jahr (als Lösung ab 1 Jahr, Tabletten ab 12 Jahren)
- Schwere Leberinsuffizienz
- Überempfindlichkeit gegen Desloratadin oder Loratadin
Verfügbare Dosierungen
Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren:
- 5 mg einmal täglich (eine Filmtablette)
- Einnahme unabhängig von Mahlzeiten
Kinder (als Sirup/Lösung, ärztliche Verordnung):
- 1–5 Jahre: 1,25 mg einmal täglich
- 6–11 Jahre: 2,5 mg einmal täglich
Verfügbare Darreichungsformen:
- 5 mg Filmtabletten
- 5 mg Schmelztabletten (Aerius® Schmelztabletten)
- 0,5 mg/ml Lösung zum Einnehmen (für Kinder)
Anwendungsdauer:
- Saisonal: Während der Pollensaison
- Ganzjährig: Bei perennialer Rhinitis oder chronischer Urtikaria nach ärztlicher Empfehlung
Einnahmehinweise
Einnahme:
- Einmal täglich, immer zur gleichen Tageszeit
- Unabhängig von Mahlzeiten
- Filmtablette mit Wasser schlucken
- Schmelztablette auf die Zunge legen, zerfällt ohne Wasser
Wichtige Hinweise:
- Regelmäßig einnehmen für optimale Wirkung während der Pollensaison
- Kann auch bei Bedarf (intermittierend) eingenommen werden
- Keine Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz nötig
- Bei vergessener Dosis: Nächste Dosis zur gewohnten Zeit einnehmen, nicht die doppelte Menge
Tipps bei Heuschnupfen:
- Zusätzlich nasales Kortikosteroid bei verstopfter Nase
- Pollenflugkalender beachten und Exposition reduzieren
- Allergiekarenz-Maßnahmen unterstützen die Therapie
Gegenanzeigen
Desloratadin darf nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Desloratadin oder Loratadin
- Schwerer Leberinsuffizienz (fehlende Dosierungsdaten)
Vorsicht bei:
- Eingeschränkter Nierenfunktion (Dosisanpassung kann nötig sein bei schwerer Niereninsuffizienz)
- Epilepsie in der Vorgeschichte (Krampfschwelle kann erniedrigt werden)
- Gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten, die die Krampfschwelle senken
Schwangerschaft und Stillzeit: Die Anwendung in der Schwangerschaft sollte nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Desloratadin geht in die Muttermilch über. In der Stillzeit sollte die Einnahme nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.
Mögliche Nebenwirkungen
Häufig (1–10 %):
- Kopfschmerzen
- Mundtrockenheit
- Müdigkeit (deutlich seltener als bei älteren Antihistaminika)
Gelegentlich (0,1–1 %):
- Schwindel
- Schlafstörungen
- Magen-Darm-Beschwerden
- Tachykardie (Herzrasen)
- Myalgie (Muskelschmerzen)
Selten (< 0,1 %):
- Überempfindlichkeitsreaktionen
- Erhöhte Leberenzyme
- Anaphylaxie (extrem selten)
Allgemein: Desloratadin gilt als sehr gut verträglich. In klinischen Studien war die Nebenwirkungsrate kaum höher als unter Placebo. Die Sedierungsrate liegt unter 2 % und ist damit deutlich niedriger als bei Cetirizin.
Wechselwirkungen
Klinisch relevante Wechselwirkungen: Desloratadin hat ein sehr günstiges Wechselwirkungsprofil. Es wird nicht wesentlich über CYP-Enzyme abgebaut.
Keine relevante Interaktion mit:
- Grapefruitsaft
- Ketoconazol, Erythromycin (keine QT-Verlängerung)
- Alkohol (keine Verstärkung der Sedierung in Studien, trotzdem Vorsicht)
- Nahrungsmitteln
Vorsicht bei:
- Anderen sedierend wirkenden Medikamenten (obwohl Desloratadin selbst kaum sediert)
- Medikamenten, die die QT-Zeit verlängern (theoretisches Risiko)
Hinweis: Desloratadin hat eines der günstigsten Wechselwirkungsprofile aller Antihistaminika.
Häufige Fragen
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Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt. Lesen Sie vor der Einnahme die Packungsbeilage.





