Was ist Furosemid?
Furosemid ist ein Schleifendiuretikum und das stärkste oral verfügbare Entwässerungsmedikament. Es wird bei Ödemen (Wassereinlagerungen) verschiedener Ursachen eingesetzt, insbesondere bei Herzinsuffizienz, Nierenerkrankungen und Leberzirrhose. Auch bei Bluthochdruck kann es verwendet werden, wobei hier Thiaziddiuretika in der Regel bevorzugt werden.
Der Name leitet sich von seinem Wirkort ab: der Henle-Schleife in der Niere. Furosemid bewirkt eine schnelle und kräftige Wasserausscheidung. Es ist als Tabletten, Injektionslösung und Tropfen erhältlich. Bekannte Präparate sind Lasix®, Furosemid-ratiopharm® und Furosemid AL®.
Furosemid hat einen schnellen Wirkungseintritt und wird daher auch in Notfallsituationen (z. B. akutes Lungenödem) eingesetzt.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Furosemid
Furosemid hemmt den Natrium-Kalium-2-Chlorid-Cotransporter (NKCC2) in der Henle-Schleife:
Wirkmechanismus:
- Hemmt die Rückresorption von Natrium, Kalium und Chlorid in der Henle-Schleife
- Große Mengen Wasser folgen osmotisch den Elektrolyten
- Kräftige Diurese (Wasserausscheidung)
- Schnelle Reduktion des Blutvolumens
Wirkstärke:
- Stärkstes orales Diuretikum
- Kann bis zu 15-25% des filtrierten Natriums ausscheiden
- Zum Vergleich: Thiazide nur 5-8%
Zusätzliche Effekte:
- Venöse Vasodilatation (Vorlastsenkung) – wirkt schon vor der Diurese
- Erhöhte Kalzium- und Magnesiumausscheidung
- Erhöhte Harnsäureretention
Wirkungseintritt: Oral: 30-60 Minuten. Intravenös: 5-15 Minuten. Wirkdauer: 4-6 Stunden. Danach kann eine Gegenregulation (Rebound-Natriumretention) auftreten.
Für wen ist es geeignet?
Furosemid ist geeignet für:
- Ödeme bei Herzinsuffizienz
- Ödeme bei Nierenerkrankungen
- Ödeme bei Leberzirrhose
- Lungenödem (Notfall)
- Bluthochdruck (wenn Thiazide nicht ausreichen)
- Forcierte Diurese bei Vergiftungen
Besonders geeignet bei:
- Herzinsuffizienz mit Flüssigkeitsüberladung
- Niereninsuffizienz (GFR unter 30 ml/min – hier wirken Thiazide kaum)
- Akutes Lungenödem (Notfall)
- Schwere Ödeme, die auf Thiazide nicht ansprechen
Nicht geeignet:
- Alleinige Dauertherapie bei Bluthochdruck (Thiazide bevorzugen)
- Anurie (fehlende Urinproduktion)
- Schwere Hypokaliämie
- Schwere Hyponatriämie
- Präkomatöse hepatische Enzephalopathie
Verfügbare Dosierungen
Ödeme:
- Startdosis: 20-40 mg einmal täglich (morgens)
- Übliche Dosis: 40-80 mg täglich
- Maximaldosis: 600 mg täglich (bei schwerer Niereninsuffizienz)
- Kann bei Bedarf auf 2 Gaben aufgeteilt werden
Bluthochdruck:
- 20-40 mg einmal oder zweimal täglich
Lungenödem (Notfall):
- 40-80 mg i.v.
Verfügbare Stärken:
- 20 mg, 40 mg, 250 mg, 500 mg Tabletten
- Injektionslösung
- Orale Lösung
Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz: Bei GFR unter 30 ml/min sind häufig höhere Dosen nötig (bis 250-500 mg).
Einnahmehinweise
Einnahme:
- Morgens einnehmen (um nächtlichen Harndrang zu vermeiden)
- Bei zweimaliger Gabe: morgens und mittags (nicht abends)
- Unabhängig von Mahlzeiten
- Mit ausreichend Wasser
Wichtige Hinweise:
- Regelmäßige Laborkontrollen: Elektrolyte (Kalium!), Nierenwerte, Blutzucker
- Ausreichend trinken (nach ärztlicher Anweisung)
- Kaliumreiche Ernährung (Bananen, Kartoffeln, Nüsse)
- Gewicht regelmäßig kontrollieren (Hinweis auf Entwässerung/Überwässerung)
- Bei starkem Durchfall oder Erbrechen: Arzt kontaktieren (Dehydratationsgefahr)
- Sonnenschutz beachten (Photosensibilisierung möglich)
Gegenanzeigen
Furosemid darf nicht eingenommen werden bei:
- Anurie (keine Urinproduktion)
- Schwere Hypovolämie oder Dehydratation
- Schwere Hypokaliämie
- Schwere Hyponatriämie
- Präkomatöse oder komatöse hepatische Enzephalopathie
- Überempfindlichkeit gegen Furosemid oder Sulfonamide
Vorsicht bei:
- Diabetes mellitus (Blutzuckererhöhung möglich)
- Gicht/Hyperurikämie (Harnsäureanstieg)
- Leberzirrhose mit Aszites (engmaschige Überwachung)
- Gleichzeitiger Einnahme ototoxischer Medikamente
- Prostatahyperplasie (Harnverhalt möglich)
- Porphyrie
Schwangerschaft: Nur bei strenger Indikation. Furosemid passiert die Plazenta und kann die Diurese beim Feten steigern.
Mögliche Nebenwirkungen
Häufig (1-10%):
- Hypokaliämie (Kaliummangel) – wichtigste Nebenwirkung!
- Hyponatriämie
- Dehydratation
- Hypotonie
- Erhöhte Harnsäure
- Stoffwechselveränderungen (Blutzucker, Blutfette)
Gelegentlich (0,1-1%):
- Schwindel, Kopfschmerzen
- Muskelkrämpfe
- Magen-Darm-Beschwerden
- Hautausschlag
- Photosensibilisierung
- Hörstörungen (besonders bei schneller i.v.-Gabe)
Selten:
- Schwere Elektrolytstörungen
- Pankreatitis
- Blutbildveränderungen
- Nierenfunktionsverschlechterung
- Ototoxizität (irreversibel bei sehr hohen Dosen)
Wichtig: Kaliumverlust ist die häufigste und gefährlichste Nebenwirkung. Regelmäßige Kaliumkontrollen sind Pflicht! Ggf. Kaliumsubstitution oder Kombination mit kaliumsparendem Diuretikum.
Wechselwirkungen
Gefährliche Kombinationen:
- Aminoglykosid-Antibiotika (Gentamicin) → verstärkte Ototoxizität und Nephrotoxizität
- Cisplatin → verstärkte Nieren- und Hörschäden
- Lithium → erhöhte Lithiumspiegel (toxisch!)
Vorsicht bei:
- Digitalispräparate → Kaliumverlust verstärkt Digitalis-Toxizität!
- ACE-Hemmer/Sartane → verstärkte Hypotonie, Nierenfunktionsstörung
- NSAR → verminderte diuretische Wirkung, Nierenschäden
- Corticosteroide → verstärkter Kaliumverlust
- Antidiabetika → verminderte Blutzuckersenkung
- Sucralfat → verminderte Furosemid-Aufnahme (2 Stunden Abstand)
Wichtig: Bei gleichzeitiger Einnahme von Digitalis (Digoxin) muss der Kaliumspiegel besonders sorgfältig überwacht werden. Hypokaliämie erhöht das Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen.
Häufige Fragen
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Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt. Lesen Sie vor der Einnahme die Packungsbeilage.





