Was ist Felodipin?
Felodipin ist ein Kalziumkanalblocker vom Dihydropyridin-Typ mit besonders hoher Gefäßselektivität. Es wirkt bevorzugt an den glatten Muskelzellen der Arterien und hat vergleichsweise wenig Einfluss auf das Herz.
Felodipin wird als Retardtablette eingenommen, die den Wirkstoff gleichmäßig über 24 Stunden freisetzt. Es ist zur Behandlung von Bluthochdruck und stabiler Angina pectoris zugelassen. Bekannte Präparate sind Felodipin-ratiopharm® und Plendil®.
Die hohe Gefäßselektivität bedeutet, dass Felodipin die Blutgefäße stark erweitert, aber die Herzfunktion kaum beeinflusst. Dies ist vorteilhaft, kann aber zu einer reflektorischen Herzfrequenzerhöhung führen.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Felodipin
Felodipin blockiert L-Typ-Kalziumkanäle mit hoher Gefäßselektivität:
Wirkmechanismus:
- Selektive Blockade der Kalziumkanäle in der Gefäßmuskulatur
- Sehr hohe Gefäß-/Herz-Selektivität (ca. 100:1)
- Arterielle Vasodilatation und Blutdrucksenkung
- Senkung des peripheren Gefäßwiderstands
Besonderheiten:
- Höchste Gefäßselektivität aller Dihydropyridine
- Kaum negative Inotropie (keine Senkung der Herzschlagkraft)
- Als Retardform gleichmäßige 24-Stunden-Wirkung
- Geringere reflektorische Tachykardie als bei kurzwirksamen Kalziumkanalblockern
Zusätzliche Wirkung:
- Natriuretischer Effekt (fördert Salzausscheidung)
- Verbessert die Nierenperfusion
- Kann die renale Natriumausscheidung steigern
Wirkungseintritt: Retardform: Wirkungseintritt nach 2-5 Stunden. Gleichmäßige Wirkung über 24 Stunden.
Für wen ist es geeignet?
Felodipin ist geeignet für:
- Erwachsene mit Bluthochdruck
- Chronische stabile Angina pectoris
Besonders geeignet bei:
- Bluthochdruck mit normaler Herzfrequenz
- Ältere Patienten mit isolierter systolischer Hypertonie
- In Kombination mit Betablockern (komplementärer Mechanismus)
- Patienten mit leichter Niereninsuffizienz
Nicht geeignet:
- Dekompensierte Herzinsuffizienz
- Instabile Angina pectoris
- Schwere Aortenstenose
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Innerhalb von 4 Wochen nach akutem Herzinfarkt
Verfügbare Dosierungen
Bluthochdruck:
- Startdosis: 5 mg einmal täglich
- Übliche Dosis: 5-10 mg einmal täglich
- Maximaldosis: 10 mg täglich
Angina pectoris:
- 5-10 mg einmal täglich
Ältere Patienten / Leberinsuffizienz:
- Startdosis: 2,5 mg einmal täglich
Verfügbare Stärken:
- 2,5 mg, 5 mg, 10 mg Retardtabletten
Einnahmehinweise
Einnahme:
- Einmal täglich, vorzugsweise morgens
- Retardtablette unzerkaut schlucken – nicht teilen, zerkauen oder zerdrücken
- Unabhängig von leichten Mahlzeiten
- NICHT mit Grapefruitsaft einnehmen
Wichtige Hinweise:
- Retardtabletten nicht zerteilen (Retardmechanismus wird zerstört)
- Grapefruitsaft kann die Spiegel um das 2-3fache erhöhen
- Regelmäßige Blutdruckkontrolle
- Bei Flush und Kopfschmerzen zu Beginn: oft Besserung nach 1-2 Wochen
Gegenanzeigen
Felodipin darf nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Felodipin oder andere Dihydropyridine
- Dekompensierte Herzinsuffizienz
- Schwere Aortenstenose
- Instabile Angina pectoris
- Akuter Herzinfarkt (erste 4 Wochen)
- Schwangerschaft und Stillzeit
Vorsicht bei:
- Leberinsuffizienz (verzögerter Abbau – niedrigere Dosis)
- Tachykardie (reflektorische Herzfrequenzerhöhung möglich)
- Schwere Niereninsuffizienz
Schwangerschaft: Kontraindiziert. Tierexperimentell Hinweise auf Fruchtschäden.
Mögliche Nebenwirkungen
Häufig (1-10%):
- Kopfschmerzen
- Gesichtsrötung (Flush)
- Knöchelödeme (dosisabhängig)
- Schwindel
Gelegentlich (0,1-1%):
- Herzklopfen, Tachykardie
- Müdigkeit
- Magen-Darm-Beschwerden
- Hautausschlag
- Zahnfleischwucherung (Gingivahyperplasie)
Selten:
- Gelenkschmerzen
- Muskelschmerzen
- Parästhesien (Kribbeln)
- Leberwerterhöhungen
- Lichtempfindlichkeit der Haut
Hinweis: Flush und Kopfschmerzen treten besonders zu Beginn der Therapie auf und bessern sich meist nach 1-2 Wochen. Die Retardform reduziert diese Nebenwirkungen gegenüber schnell freisetzenden Kalziumkanalblockern.
Wechselwirkungen
Starke Wechselwirkung mit Grapefruit:
- Grapefruitsaft hemmt CYP3A4 im Darm
- Kann die Felodipin-Spiegel um das 2-3fache erhöhen
- Grapefruitsaft und Grapefruit strikt meiden!
Vorsicht bei:
- CYP3A4-Hemmer (Erythromycin, Itraconazol, Ketoconazol) → erhöhte Spiegel
- CYP3A4-Induktoren (Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin, Johanniskraut) → verminderte Wirkung
- Andere Blutdrucksenker → verstärkte Hypotonie
- Cimetidin → erhöhte Felodipin-Spiegel
- Tacrolimus → erhöhte Tacrolimus-Spiegel
Gut kombinierbar mit:
- Betablockern (komplementärer Mechanismus, Reflextachykardie wird verhindert)
- ACE-Hemmern und Sartanen
Häufige Fragen
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Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt. Lesen Sie vor der Einnahme die Packungsbeilage.





